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Zimmer mit Blick auf die Wellen

Original Artikel für Neue Zuercher Zeitung

Die Badewanne steht direkt am Fenster, das den Blick auf den hier recht wilden Pazifik freigibt. In den brausenden Wellen tummeln sich Surfer. Das Wasser glitzert in unterschiedlichen Farbtönen. – «Watching the waves from my window», steht auf dem geschnitzten Holzbrettchen, das an der Zimmertüre hängt und dem Personal kundtut, dass der Gast im Moment nicht gestört werden will. Es ist Ausdruck des besonderen Stils, der das Hotel Wickanninish Inn von anderen Luxushäusern unterscheidet. Trifft man den Eigentümer und Direktor Charles McDiarmid im Hotel-Restaurant «The Pointe» mit spektakulärer 240-Grad-Aussicht auf den Chesterman Beach zum Frühstück, kommt er gerade selber vom Surfen. Tofino sei kein Platz für jedermann, sagt der Manager, der einfach Charles genannt werden will. Es gebe keine Luxusboutiquen und schicken Shops. Hierher kämen Reisende, welche die Natur liebten und mit dem Ozean interagieren wollten.

Nicht von ungefähr hat Frank Schätzing das charismatische Hotel, das exponiert am Waldrand der zerklüfteten Meeresküste im Pacific Rim Park steht, in seinem Bestsellerroman «Der Schwarm» als Schauplatz verwendet. Von März bis Oktober ziehen Grau-, Orca- und Buckelwale auf ihrer Reise gen Norden vorbei. Das Motto des Hauses, «Rustic elegance on nature's edge», zieht sich wie ein roter Faden durch die Architektur. Obwohl es zur «Relais & Châteaux»-Kollektion gehört, wird auf weisse Tischtücher im Restaurant verzichtet. In den Gängen und den 75 Zimmern und Suiten trifft man überall auf Objekte von lokalen Kunsthandwerkern. Gleich neben dem Hotel steht das Holzschnitzer-Atelier des 2004 verstorbenen Henry Nolla. Dort werden wir von «Feather» George Yearsley und seinem Hund Douce begrüsst. Yearsley schnitzt tagein, tagaus hauchdünne Federn aus Holz, die er für Preise zwischen 425 und 700 Dollar an Touristen verkauft.

Er sei für verrückt gehalten worden, in Tofino, wo es keine Oper und keinen Benetton-Laden gebe, ein Luxushotel zu bauen, erzählt Charles. Das Haus wurde 1996 eröffnet. Zum Erfolg haben auch die raffinierte Küche und das aussergewöhnliche Spa mit sechs Behandlungsräumen und einer «Cedar Sanctuary»-Hütte direkt am Ozean beigetragen. Im Winter ist das «Inn» beliebter Ausgangspunkt zum «Storm Watching». In jedem Zimmer hängt Regenkleidung für die Gäste bereit. «Schlechtes Wetter gibt es hier nicht», sagt Charles, «nur eine schlechte Kleiderwahl.»

Ein Tipp: Wir nutzten das Hotel als Ausgangspunkt für eine Kanutour durch den Clayoquot Sound. Das Kanu hat der Vater unserer Tourleiterin Tsimka Martin eigenhändig gezimmert. Tsimka gehört zum First-Nations-Volk der Nuu-chah-nulth und kennt viele Anekdoten aus dessen bewegender Geschichte. Von alten indianischen Legenden bis zu den knallharten Protesten gegen die Abholzung des Regenwaldes, die 1993 ihren Höhepunkt erreichten und das Hippie- und Surfer-Paradies Tofino nachhaltig erschütterten.

  • A Proud Relais & Chateaux Member
  • Rated a Top Travel Destination